Moderne Wärmebildtechnik hat sich deshalb längst zu einem wichtigen Bestandteil der taktischen Einsatzführung entwickelt. Während klassische Wärmebildkameras vor allem für die Lageerkundung und Personensuche eingesetzt werden, eröffnen neue, freihändig nutzbare Systeme zusätzliche Möglichkeiten für den Atemschutzeinsatz.

Orientierung unter Nullsichtbedingungen

Bei der Brandbekämpfung in Gebäuden treffen Einsatzkräfte häufig auf Bedingungen, bei denen eine Orientierung mit bloßem Auge kaum möglich ist:

    • Dichte Rauchentwicklung mit Sichtweiten von wenigen Zentimetern
    • Komplexe Gebäudestrukturen mit unbekannten Raumaufteilungen
    • Hohe thermische Belastungen
    • Eingeschränkte Kommunikation innerhalb des Trupps
    • Zeitkritische Rettungsmaßnahmen

Wärmebildkameras unterstützen dabei, Wärmequellen, Brandherde, Personen und Fluchtwege schneller zu erkennen. Sie können somit einen wertvollen Beitrag zur Lagebeurteilung und Eigensicherung leisten.

Die Grenzen klassischer Wärmebildkameras

Handgeführte Wärmebildkameras gehören heute bei vielen Feuerwehren zur Standardausrüstung. Dennoch bringen sie im Innenangriff einige praktische Herausforderungen mit sich. So muss die Kamera permanent in der Hand gehalten werden. Dadurch steht eine Hand weniger für andere Tätigkeiten zur Verfügung, beispielsweise beim Schlauchmanagement, bei der Menschenrettung oder bei der Bedienung von Werkzeugen.

Gerade in engen Treppenräumen, bei Suchmaßnahmen oder während der Brandbekämpfung kann dies die Bewegungsfreiheit einschränken.

Dräger UCF FireCore: Wärmebildtechnik direkt im Blickfeld

Ein Beispiel für eine neue Generation von Wärmebildsystemen ist die Dräger FireCore. Das System kombiniert eine am Helm befestigte Wärmebildkamera mit einem In-Mask-Display in der Atemschutzmaske. Dadurch wird das Wärmebild permanent im Sichtfeld des Atemschutzgeräteträgers dargestellt. Die Einsatzkraft erhält somit kontinuierlich Informationen über ihre unmittelbare Umgebung, ohne eine zusätzliche Kamera in der Hand halten zu müssen.

 

Das System ist unter anderem für die Integration mit der AtemschutzmaskeDräger FPS 7000 sowie verschiedenen Feuerwehrhelmen ausgelegt. Die Kamera kann je nach Einsatzlage am Helm befestigt oder bei Bedarf kurzfristig abgenommen werden, um beispielsweise schwer einsehbare Bereiche oder Bereiche hinter Hindernissen zu kontrollieren. Wichtig ist dabei weniger der Hersteller als vielmehr die Frage, welche Lösung die taktischen Anforderungen der jeweiligen Feuerwehr optimal unterstützt und in bestehende Einsatzkonzepte integriert werden kann.

Freie Hände für den eigentlichen Einsatzauftrag

Ein wesentlicher Vorteil moderner Head-up-Systeme besteht darin, dass beide Hände für die eigentliche Tätigkeit verfügbar bleiben. Dies kann insbesondere bei folgenden Aufgaben hilfreich sein:

    • Menschenrettung unter Atemschutz
    • Schlauchmanagement im Innenangriff
    • Türöffnungs- und Suchtechniken
    • Arbeiten in beengten Bereichen
    • Leiter- und Treppenbewegungen

Durch die permanente Darstellung des Wärmebildes kann die Einsatzkraft ihre Umgebung kontinuierlich beobachten, ohne regelmäßig zwischen Kamera und Einsatzaufgabe wechseln zu müssen. Vergleich verschiedener Wärmebildlösungen

SystemDarstellungBedienungTypischer EinsatzbereichBesonderheit
Handgeführte WärmebildkameraSeparates DisplayEine Hand erforderlichLageerkundung, PersonensucheHohe Flexibilität
Helmgestützte Wärmebildkamera mit DisplayPermanentes SichtfeldFreihändige NutzungInnenangriff, MenschenrettungKontinuierliche Orientierung
Kombination mehrerer SystemeSituationsabhängigVariabelGrößere Feuerwehren und SpezialanwendungenMaximale Flexibilität


Welche Lösung geeignet ist, hängt von der jeweiligen Gefährdungsbeurteilung, den taktischen Vorgaben und den Ausbildungsständen der Einsatzkräfte ab.

Situationsbewusstsein als Sicherheitsfaktor

Internationale Untersuchungen und Einsatzerfahrungen zeigen, dass ein verbessertes Situationsbewusstsein ("Situational Awareness") einen wesentlichen Beitrag zur Eigensicherheit leisten kann.

Gerade bei:

    • Flashover-Gefahren,
    • unübersichtlichen Raumstrukturen,
    • Such- und Rettungseinsätzen,
    • Nachlöscharbeiten sowie
    • Orientierung unter Nullsicht

liefert Wärmebildtechnik wichtige Zusatzinformationen für die Entscheidungsfindung. Moderne Systeme ermöglichen dabei eine schnellere Wahrnehmung potenzieller Gefahren und unterstützen die taktische Lagebeurteilung.

Robustheit für den Feuerwehreinsatz

Technische Systeme für den Innenangriff müssen extremen Belastungen standhalten. Dazu gehören Hitze, Feuchtigkeit, Stöße sowie starke Verschmutzungen. Die FireCore wurde speziell für diese Anforderungen entwickelt und verfügt über ein robustes Gehäusekonzept. Die Kamera erfüllt die Schutzklasse IP67 und kann sowohl auf dem Fahrzeug als auch in der Feuerwache geladen werden. Das modulare Konzept ermöglicht zudem eine Anpassung an unterschiedliche Einsatz- und Ausstattungsstrategien.

Technik als Teil eines Gesamtkonzepts

So leistungsfähig moderne Wärmebildtechnik auch ist – sie ersetzt weder die Ausbildung noch bewährte Einsatzgrundsätze.

Entscheidend bleiben:

    • Regelmäßiges Atemschutztraining
    • Sichere Such- und Rettungstechniken
    • Taktische Ausbildung im Innenangriff
    • Klare Führungsstrukturen
    • Regelmäßige Übungen mit der eingesetzten Technik

Erst das Zusammenspiel von Mensch, Ausbildung und Technik ermöglicht eine sichere und effektive Einsatzdurchführung.

Fazit: Mehr Orientierung und Sicherheit durch moderne Wärmebildsysteme

Die Anforderungen an Atemschutzgeräteträger steigen kontinuierlich. Gleichzeitig entwickeln sich die technischen Möglichkeiten weiter. Moderne Wärmebildlösungen können die Orientierung verbessern, das Situationsbewusstsein erhöhen und Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit unterstützen. Systeme wie die Dräger FireCore zeigen, wie Wärmebildtechnik zunehmend in die persönliche Schutzausrüstung integriert wird. Die freihändige Nutzung und die permanente Darstellung des Wärmebildes können insbesondere bei Innenangriffen, Suchmaßnahmen und Menschenrettungen wertvolle Vorteile bieten. Die Auswahl geeigneter Systeme sollte jedoch stets auf Basis der individuellen Einsatzanforderungen und der vorhandenen Ausbildung erfolgen.

Sie möchten Ihre Atemschutztrupps mit moderner Wärmebildtechnik ausstatten oder bestehende Einsatzkonzepte weiterentwickeln? Wir beraten Sie gerne bei der Auswahl geeigneter Wärmebildsysteme, Atemschutzlösungen und ergänzender Ausrüstung für Ihre individuellen Einsatzanforderungen.